Die Schädelakupunktur ist eine moderne Variante der Körperakupunktur der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Bei der Schädelakupunktur werden Nadeln in ausgewählte Punkte am Kopf gesetzt, um Schmerzen zu lindern oder funktionelle Störungen zu heilen. Es gibt verschiedene Methoden der Schädelakupunktur. Die japanische Schädelakupunktur nach Yamamoto nutzt spezielle Reflexzonen am Schädel. Die Schädelakupunktur nach Yamamoto wirkt rasch und intensiv. 

Lesen Sie hier, was man unter Schädelakupunktur versteht, wie sie funktioniert und wann sie angewendet werden kann.  

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) kennt seit jeher Akupunkturpunkte am Schädel, die mit speziellen Meridianen verbunden sind und bei entsprechenden Symptomen mit Nadeln behandelt werden. Neben den klassischen Akupunkturpunkten am Schädel der TCM haben sich zwei moderne Methoden der Schädelakupunktur herausgebildet: die Schädelakupunktur nach Yamamoto und die chinesische Schädelakupunktur.  

1.1. Chinesische Schädelakupunktur

Die chinesische Schädelakupunktur wurde vor allem durch den chinesischen Neurochirurgen Jiao Shunfa in den 1960er Jahren entwickelt. Die chinesische Schädelakupunktur basiert auf den Kenntnissen der Neuroanatomie. Über die Kopfhaut werden Funktionsareale der Grosshirnrinde mit Nadelstichen stimuliert.

Die Akupunktur des Schädels kann auch mit der Behandlung von verschiedenen Punkten am Körper kombiniert werden. Die chinesische Schädelakupunktur wird vor allem zur Behandlung von neurologischen Erkrankungen (Lähmungserkrankungen), Tinnitus, Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen oder Unfruchtbarkeit eingesetzt.  

1.2. Schädelakupunktur nach Yamamoto

Der japanische Arzt Toshikatsu Yamamoto entdecke in den 1960er Jahren bei der Behandlung von Schmerz- und Lähmungspatienten mit klassischer Akupunktur weitere Punkte, die eine entsprechende Zuordnung aller Körperzonen zeigte. Ähnlich wie bei Füssen, Händen und Ohren spiegelt sich auch am Schädel der gesamte Körper im Mikrosystem des Schädels wider. Yamamoto erforscht seit seiner Entdeckung dieser Reflexzonen weitere Akupunkturpunkte und entwickelt seine Akupunkturform weiter fort.  

Die Akupunkturpunkte der modernen Schädelakupunktur sind an der Stirn-, Haar- und Schläfengrenze am Kopf zu finden. Die Schädelakupunktur nach Yamamoto unterscheidet zwischen sogenannten Basis- und Ypsilon-Punkten.

Die Basis-Punkte stellen die anatomische Abbildung des Körpers dar (Körperteile, Sinnesorgane, Zentrales Nervensystem).

Die Ypsilon-Punkte sind eine Abbildung des gesamten Körpers nach östlicher Vorstellung (Meridiane, Verbindung mit inneren Organen).

Bei der Behandlung mit Schädelakupunktur nach Yamamoto werden einerseits Nadeln in ausgewählte Akupunkturpunkte gesetzt. Andererseits können auch bestimmte schmerzhafte Punkte ertastet und gezielt behandelt werden. Auch die Kombination mit anderen Akupunkturverfahren und Körperakupunktur ist möglich.  

2.1. Diagnose

Die Schädelakupunktur nach Yamamoto bedient sich der klassischen Diagnosemethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Neben einem ausführlichen Erstgespräch zwischen dem Patienten und Therapeuten, spielen Antlitzdiagnose sowie Zungen- und Pulsdiagnose eine zentrale Rolle. Die Antlitzdiagnose bezeichnet das Erkennen von Krankheiten und deren Ursachen aufgrund des äusseren Erscheinungsbildes eines Menschen. Haut, Haare, Nägel und andere geben nach Auffassung der TCM Auskunft über Stärken und Schwächen von Organen. Besonders die Beschaffenheit der Zunge (Risse, Farbe, Belag usw.) ist ein wichtiges Aussageinstrument des Körpers.

Zusätzlich kennt die Schädelakupunktur das Diagnosemittel der Bauchdeckendiagnose, bei welcher der Akupunkteur die Bauchdecke auf Druckempfindlichkeit abtastet. 

Die Schädelakupunktur nach Yamamoto wirkt wie die klassische Körperakupunktur der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) über die Stimulation von ausgewählten Akupunkturpunkten und entsprechenden Meridianen. Nach Auffassung der TCM zirkuliert in den Meridianen (Leitbahnen) die körpereigene Lebensenergie Qi.

Kann das Qi nicht gleichmässig fliessen, entstehen Blockaden, Stagnationen und Organe werden unzureichend mit der Lebensenergie versorgt. Dadurch können Krankheiten, funktionelle Störungen oder allgemeine Schwäche entstehen. Durch die Nadeltherapie kann auf den Fluss der Lebensenergie Qi eingewirkt, Organe gestärkt und insgesamt ein Gleichgewicht im Körper hergestellt werden. Krankheiten können ausheilen und Symptome klingen ab.  

3.1. Intensive Wirkung

Die Schädelakupunktur nach Yamamoto ist eine spezielle Art der Akupunktur, bei der das Mikromeridiansystem am Kopf stimuliert wird. Die Schädelakupunktur gilt als Akupunkturform mit besonders rascher und intensiver Wirkung. Der Kopf gilt in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als Sitz des Geistes. Im Schädel fliessen alle Yang-Meridiane zusammen. Die Akupunkturpunkte am Kopf eignen sich daher bestens, um den Yin-Yang-Energiehaushalt zu regulieren.

Darüber hinaus erreichen die Reize der Nadeln am Schädel das Gehirn besonders schnell. Die Schädelakupunktur wird daher erfolgreich zur raschen Linderung akuter Beschwerden eingesetzt.  

Die Schädelakupunktur nach Yamamoto gilt als sehr wirkungsvolle Akupunkturmethode. Die Nadeltherapie am Schädel eignet sich auch zur Behandlung von starken und akuten Schmerzen. Häufig stellt sich bereits innerhalb von Sekunden Linderung ein. Die Schädelakupunktur wird daher auch als Notfallbehandlung eingesetzt.  

Die Schädelakupunktur kann bei sämtlichen Beschwerdebildern und Symptomen wie die klassische Körperakupunktur der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) angewendet werden. Darüber hinaus hat sich die Schädelakupunktur besonders bewährt bei der Behandlung von 

  • Arthritis und Arthrose 
  • Asthma 
  • Funktionellen Störungen innerer Organe 
  • Kopfschmerzen 
  • Neurologischen Erkrankungen (Lähmungen, Nervenschädigungen) 
  • Schlafstörungen 
  • Schmerzen des Bewegungsapparates (Wirbelsäule, Rücken, Schulter, Arme, Hüfte, Knie) 

Kontraindikationen 

Prinzipiell ist die Schädelakupunktur sowie sämtliche andere Formen der Akupunktur eine äusserst risikoarme, nebenwirkungsfreie Behandlungsmethode. Vorsicht bei der Therapie mit Nadeln am Schädel ist jedoch in folgenden Fällen geboten: 

  • Angina pectoris 
  • Schwangerschaft 
  • Extra- und intrakranielle Stenosen der hirnversorgenden Gefässe 
  • Koronare Herz-Kreislauferkrankungen 
  • Gerinnungstörungen  

Nach einer ausführlichen Untersuchung gemäss der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), stellt der TCM-Therapeut eine entsprechende Diagnose. Wichtige Diagnosemittel sind ein ausführliches Gespräch, das äussere Erscheinungsbild des Patienten sowie Zungen- und Pulsdiagnose. Bei der Schädelakupunktur wird zusätzlich eine Bauchdeckendiagnose durchgeführt.

Anschliessend wählt der Akupunkteur geeignete Punkte auf dem Kopf, in die wenige, meist zwei bis drei feine Nadeln im Bereich Stirn-Haargrenze setzt. Die Nadeln werden dabei nur wenige Millimeter tief eingestochen. Die Nadeln verbleiben in der Regel zwischen zehn und 30 Minuten am Kopf. Wie oft eine Behandlung nötig ist, hängt vom individuellen Beschwerdebild des Patienten ab. Regelmässige Akupunktur erhöht den Heilungserfolg.  

5.1. Tut die Schädelakupunktur weh?

Den Einstich mit Nadeln am Schädel nehmen Patienten unterschiedlich wahr. Für manche ist das Setzen der Nadel am Kopf schmerzhafter als an anderen Körperstellen. Andere Patienten nehmen lediglich ein leichtes Piksen beim Einstich wahr.